spirit

Liebe                                                                       

(…)
Was soll man noch sagen über die Liebe, alles ist über sie gesagt, und trotzdem wohnt sie nicht unter den Menschen. Ich dachte, jeder hätte es begriffen inzwischen. Aber immer wieder muss man es aufzeigen, was die Liebe nicht ist. Sie ist nicht Abhängigkeit, nicht Eifersucht, nicht Besitzdenken.
(…)
Etwas plakativ könnte man sagen: Lieben ist die Fähigkeit, zu dritt, zu vielt zu lieben. Das, was üblicherweise als Liebe bezeichnet wird, die Liebe zu zweit, ist eher die Art von Liebe, die in Wirklichkeit Eifersucht und Besitzdenken ist, die Art von Liebe, die lieber etwas dagegen hat, dass die anderen beiden im Dreieck sich auch lieben, als selbst zu lieben.

Früher glaubte ich immer, die Menschen seien nicht dreiecksfähig, weil es verboten ist, sie müssten entsprechend befreit werden. Das ist auch tatsächlich ein Teil des Problems. Aber in Wirklichkeit ist es vor allem die andere Tatsache, dass die meisten Menschen gar nicht zu dritt lieben wollen, sie wollen nicht teilen und Rücksicht nehmen, sie wollen nicht gestört werden. Sie wollen den anderen für sich allein, jeden, den sie treffen, für sich allein. Liebe könnte man sagen, ist die Bereitschaft sich aufs Teilen einzulassen, aufs Rücksichtnehmen, aufs Berücksichtigen, dass der andere, die anderen dieselben Bedürfnisse haben.
(…)
Ein weiterer Aspekt der Liebe ist zum Beispiel, dass sie den anderen den Freundschaftsdienst nicht schuldig bleibt. Das heißt, sie ist fähig, Schmerz zuzufügen, da wo es notwendig ist. Sie trägt den anderen zwar in diesem Schmerz, sie leidet mit ihm im Mitgefühl, aber sie vermeidet nicht, den anderen die schwierigen Gefühle in der Beziehung zuzumuten, die daraus resultieren, dass dieser falsche Bilder hat, die korrigiert werden müssen. Die Gefühle zuzumuten, an denen der andere wachsen kann.
(…)

Aus „Vom Allerinnersten“, Samuel Widmer Nicolet, Basic Editions, 2005.

 


 

 

 

 

 

 

   a u c h   z u m   h ö r e n !

 

"Das Hauptproblem des Menschen besteht immer wieder darin, dass er sich nicht für die Bewegung des Tatsächlichen in den Situationen, in denen er sich befindet, interessiert, dass er nicht wirklich nahe sein will mit dem Unberechenbaren des Lebendigen, mit dem, wie andere wirklich sind und sich entfalten, sondern seine Idee, wie etwas sein sollte, wie die Dinge sich entwickeln sollten, wie andere Menschen empfinden sollten, stur über alles stellt." Samuel Widmer

Love is your nature.
You were born with it
and have never been
without it.
Sharing is the way to
your nature,
and as you reach your
nature, suddenly you will
find you are full of love.'
(Samdarshi)